Sie tanzen rundherum und im Quadrat

"American Square Dance": Koblenzer Gruppe tanzt regelmäßig nach Westernart - Gemeinschaft zählt

KOBLENZ. MBY. Flotte, fließend elegante Tänzer und Tänzerinnen bewegen sich auf dem Parkett des Foyers der Grundschule Neukar~thause: "Training" bei den "Rhine-Mosel-Squeezers".

Sie tanzen nicht nur im Quadrat - englisch: "square". Die "Rhine-Mosel-Squeezers" drücken (= "squeeze") ihre Tanzpartner auch mal kräftig. Und irgendwo tut das ja auch der Vater Rhein mit der Mutter Mosel, wenn sie sich am deutschen Eck vereinen. So jedenfalls erläutert Präsident Harry Gröning die doppelte Bedeutung des Namens, den sich die Koblenzer American Square Dance-Gruppe gegeben hat.

Der amerikanische Volkstanz hat sich einst aus den vielen Tänzen der europäischen Einwanderer entwickelt. Und in den letzten Jahrzehnten wieder die "alte Welt" zurückerobert. Inzwischen bewegen sich die begeisterten Hobbytänzer weiter nach den Zurufen des "Callers", der die Abfolge der einzelnen Tanzschritte vorhersagt oder besser vorhersingt. Fast wie ein Schachmeister bewegt er seine Figuren in Quadrat-, Kreis-, Stern- oder Linienformationen. Das Ganze zu rhythmischer Country- und Westernmusik. Stilgerecht: die Damen mit wallenden Petticoats, die Herren mit Lederband und Silberemblem anstelle des Schlipses.

Bei der locker-leichten Ausführung mag man es kaum glauben: Name und Ausführung der einzelnen Figuren sind standardisiert. So könnten die Koblenzer ohne Probleme zusammen mit den Square-Dancers von überall in der Welt einen schicken "Square" ausführen. Heidemarie Schleichert: "Ich war gerade in Orlando/Florida. Im dortigen Club bin ich mit offenen Armen aufgenommen worden." Natürlich gehört ein bißchen Übung dazu, damit alles so unkompliziert abläuft, wie die Beobachter am Rande der Tanzfläche mit Beifall bemerken. In Grundkursen lernen die Anfänger, die Formationen ("patterns") auf Zuruf auszuführen. 66 bis 100 davon gibt es, je nachdem, wie viele Variationen man dazuzählt. Ilse und Klaus Barghoorn: "Wir sind durch Freunde dazu gekommen und sind jetzt begeistert dabei, besonders Musik und Zusammengehörigkeitsgefühl schätzen wir hier."

"Circle left - boys trade - girls run", intoniert gerade der aus Bonn "importierte" Theologie-Student Andreas Ronkartz eine Abfolge, in der sich die Tanzenden erst linksherum im Kreis bewegen, dann die Herren ihre Plätze tauschen und die Damen zügig weitergehen. "Wir müssen uns derzeit einen Caller einladen, weil der eigene noch in der Ausbildung ist, er muß sich speziell auf diese Aufgabe vorbereiten", erläutert Gröning. Einladungen sind auch auf tänzerischem Gebiet eine oft und gern praktizierte Geste. Heute tanzen mehrere Gäste mit. Man erkennt sie an den andersfarbigen "badges", den Tanzplaketten.

Was die Tänzer vor allem an ihrem Hobby schätzen, sei der Gemeinschaftssinn, betont der Präsident. Denn neben dem Konzentrations-und Reaktionsvermögen gehöre eine Portion "Aufeinander zugehen" für die Paare dazu; es sind jeweils vier davon in einem "Square", die nicht nur bewegungsmäßig aufeinander eingespielt sein sollten. Das alles sei also kein sportlich-stolzer Wettbewerb, sondern eher "Freundschaft und Spaß, umgesetzt durch Musik und Tanz."

Daß sich sogar ganze Familien dabei wohlfühlen, zeigt sich daran, daß oft mehrere Generationen mittanzen. Daniela (11) und Katrin (10) Lanzendörfer: "Wir haben gesehen, es macht der Mama Spaß, da sind wir auch mal mitgekommen."


Letzte Änderung: 22.03.1997 00:02 von fl1ger